Première Brasil

December 6, 2010

Filme des Festival do Rio 2010 im Haus der Kulturen der Welt in Berlin zu sehen

Das lässt sich nur empfehlen:

Filme

Oscar Niemeyer, a vida é um sopro

Donnerstag 09.12.2010, 19h

Freitag 17.12.2010, 20h

Urubus têm asas + O risco: Lúcio Costa e a utopia moderna

Samstag 11.12.2010, 14h

Freitag 17.12.2010, 22h

Panel

Architektur und Moderne in Brasilien (auf Portugiesisch mit dt. Übersetzung)

Samstag 11.12.2010, 16h

Die Regisseure Karim Aïnouz, Ana Maria Magalhães und Fabiano Maciel im Gespräch mit dem Architekten Pedro Moreira. Moderation: Ilda Santiago

Fabiano Maciel (* 1965 in Porto Alegre) ist Regisseur, Produzent und Drehbuchautor und hat sich auf Dokumentarfilme spezialisiert. Sein dokumentarischer Essay über die Reaktion einer kleinen brasilianischen Gemeinde auf die Mondlandung der Apollo 11 sorgte auf diversen Festivals für Aufsehen und wurde auch im New Yorker MoMA aufgeführt. „Oscar Niemeyer – Das Leben ist ein Hauch (A Vida é um Sopro)“ ist Maciels erster Kino-Dokumentarfilm, an dessen Realisierung er zehn Jahre arbeitete.

Pedro Moreira (Jg. 1965) ist Architekt und Bauhistoriker mit Sitz in Berlin und São Paulo. Er hat sich in zahlreichen Arbeiten mit Architektur und Städtebau in Deutschland und Südamerika und den internationalen Einflüssen der Moderne auseinandergesetzt.
Karim Aïnouz (* 1966 in Fortaleza) ist einer der bekanntesten und innovativsten Regisseure Brasiliens. Er studierte Architektur und Filmwissenschaft. Der Spielfilm „Madame Satã“ (2002) bedeutete seinen Durchbruch als Regisseur. Die Erzählung über den exzentrischen Tänzer, Sänger und Transvestiten João Francisco dos Santos erlebte ihre Uraufführung bei den Filmfestspielen in Cannes und wurde auf zahlreichen internationalen Festivals ausgezeichnet. Karim Aïnouz lebt zur Zeit in Berlin.
Ana Maria Magalhães (* 1950 in Rio de Janeiro) ist eine der bekanntesten und wichtigsten Schauspielerinnen Brasiliens und hat in den Filmen vieler berühmter brasilianischer Regisseure mitgespielt, von „Girl from Ipanema“ (Leon Hirszman) zu „Das Alter der Erde“ von Glauber Rocha, etc. In den späten 1970er-Jahren führte sie für die Dokumentation „Mulheres de Cinema“ (Frauen im Film) erstmals selbst Regie und drehte danach mehrere Kurzfilme. In der Folge widmete sie sich in zwei Dokumentarfilmen dem Leben und Werk des Architekten und Stadtplaners Affonso Eduardo Reidy.

Mehr Infos finden Sie unter: http://www.hkw.de/de/programm/2010/premiere_brasil_52390/projekt_detail.php

An diesem Sonntag an dem die Ausstellung zum letzten Mal ihre Türen öffnet, wollten wir einige Gedankengänge festhalten. Dieser vorerst letzte große Eintrag unsererseits, mag ihnen möglicherweise ein wenig konfus erscheinen. Das liegt dann aber schon an den Eindrücken und nicht an uns! Durchaus konnten nicht all unsere Fragen verfolgt, sondern witzigerweise eher neue Zusammenhänge aufgeworfen werden. Die große Diskussion der Einflüsse und Meinungsverschiedenheiten der concretistas aus Sao Paulo und neoconcretistas aus Rio de Janeiro, bezeichnet auch Ligia Chiappini mehr als diskursive Darstellung und weniger essentiell. Unsere „neutrale“ Südbrasilianerin darf sich das durchaus rausnehmen wie wir finden. Filme und andere Werke der Ausstellung zeigen uns das. Allen voran möglicherweise Gullar als Verfasser und Verfechter des Manifesto Neoconcreto, der so was von präsent ist in zahlreichen Ausstellungsstücken. Seine Stimme aus dem Off in Joaquim Pedro de Andrades Film „Brasília, contradições de uma cidade nova“ bleibt schier einprägsam. Wichtig ist wohl eher die Konsequenz der ganzen Strömungen, nämlich der große Auftritt, den Kunst aus Brasilien im Verlauf des (modernen) 20. Jahrhunderts hinlegte und bis heute hinlegt. Jeder Künstler schafft etwas ziemlich Besonderes in dem er seine/ ihre Fähigkeiten in der Praxis umsetzt. Lygia Clark beschloss den Rahmen wegzulassen, Oiticica seine Werke in den Raum zu hängen und begehbar zu machen. Poeten manipulierten ihre Schreibmaschinen mit Farbe und Bildhauer entwickelten neue Techniken Materialien zu verarbeiten. Definitiv wird sich die Arbeit der Restaurateure in den nächsten Jahren als ziemlich schwierig gestalten. Ob die Künstler alle einfach zu lange Leben um sie als Einfluss auf zeitgenössische Kunst oder selbst als zeitgenössische Künstler zu bezeichnen, werden wir wohl so schnell nicht festlegen können. Vor allem wenn 80-Jährige sich nicht einmal vor den neuen Medien scheuen und regelmäßig ihre Blogs aktualisieren. Weiterhin hat uns die Zeit der Ausstellung gelehrt, dass Lygia Papes bichos nicht an die Decke gehangen werden sollten und man aus der Jury der Bienal in São Paulo fliegt, wenn man Kritik an Niemeyer äußert.

Und nun nochmal zu Brasília. Für Niemeyer erfüllte sich der Traum einer/s jeder/n Architektin/en – einen Entwurf zu machen, der innerhalb kürzester Zeit in die Realität umgesetzt wird. Auch Max Bense, der für einige Zeit nach Brasilien reiste, verließ sein geliebtes Rio um sich die Baustelle „Brasília“, die neue Autostadt überhaupt und Symbol für die mobile Gesellschaft, anzuschauen und Impressionen festzuhalten. Peter Zlonicky, der zum Zeitpunkt der Umsetzung des Projektes gerade seine Arbeit als Stadtplaner und Architekt in Deutschland aufnahm, erinnerte sich bei dem Vortrag am Pariser Platz an seine Faszination für die Stadt, die bis heute nicht verebbt. Mit Bildern des Congresso Nacional, aber auch niemeyerschen Projekten in São Paulo, sei es das Memorial da América Latina oder das Auditório Ibirapuera, unterstrich er seine Begeisterung für Oscars Begabung, die Form in Szene zu setzen. Im Anschluss spricht er sich dafür aus, dass wir von Brasília und Niemeyers Vorstellungen tatsächlich einiges lernen können, z.B. für zukünftige Städteplanung. Darüber macht sich im Grunde nicht nur der Bewohner Brasílias seine Gedanken, sondern jeder Mensch, der in einer großen Stadt lebt. Ein guter Freund in São Paulo stellte vor ein paar Monaten fest, die wahnsinnige Bebauung São Paulos hat uns das Recht genommen Sonnenuntergang wie -aufgang in der Stadt zu sehen. Eingegrenzt von hohen Gebäuden, müsste sich mensch ein Appartment in den oberen Etagen leisten können. Zurück zu Brasília: dass der Fleck auf der Landkarte auf dem Brasília errichtet wurde bereits zu Beginn des 19. Jh. für die neue Hauptstadt vorgesehen war, fernab der portugiesisch geprägten Küstenstädte, wussten die wenigsten Zuhörer in der Akademie der Künste. Dass der Bau Brasílias aber nur in einem größeren Kontext als Teil des nationbuildings verständlich wird, war ein Ergebnis der Diskussion. Dass Brasília sich heute doch seinen Bewohnern unterordnet, war ein weiteres Ergebnis und wurde durch Etienne vor Ort erkannt. Das Leben in der Hauptstadt ist heute stark durch Akteure geprägt, die sich die Stadt aneignen. Für mich bleibt die symbolische Bedeutung als Sitz der Regierung dennoch lebendig, wie es die regelmäßigen Demonstranten auf den großen Plätzen Brasílias suggerieren, sei es das MST oder indigene Gruppierungen, die ihren Forderungen Ausdruck verleihen indem sie ihre Zelte in der Hauptstadt aufschlagen.

Das Verständnis eines modernen Staates ist stark an die Urbanisierung geknüpft und wurde im brasilianischen Fall z.B. durch Bense beschrieben für den Brasílias Urbanität an der Oberfläche zu zerspringen drohte. Die zunehmende Bedeutung der industriellen Zentren im Verlauf des 20. Jh. geht einher mit der Eröffnung der ersten Kunstmuseen, sowie der Gründung der Bienal im Jahr 1951. Im Grunde sollten wir uns davon verabschieden in Lateinamerika eine Region zu sehen, die Europa hinterherstrebt. So sind Begriffe der “defekten” Demokratien einfach überholt und der Feststellung, dass in Europa Theorien und Ideen anhand der „Realität“ geschaffen wurden, während in Lateinamerika versucht wurde die Realität an die Theorie anzupassen, sollte kritisch nachgegangen werden. Die Theorie/Realitätsdebatte erinnert an den Begriff Gullars des não-objeto bei dem charakterisierend ist, dass das Kunstwerk einer Theorie vorangeht und nicht umgekehrt. Eine andere unserer Bemerkungen betrifft Flusser, dessen Buch den Titel „Brasilien oder die Suche nach dem modernen Menschen“ trägt. Wie ich finde sollte er sich mit Etienne kurzschließen, der auch verunsichert war, wo er denn wohne, dieser moderne Mensch. Durchaus scheitert es aber nicht an einer schwer nachvollziehbaren Adresse sondern an der Utopie des modernen Menschen per se. Somit geht es auch nicht um das Brasilianische an der Ausstellung, das einer der Zuhörer am LAI so sehr vermisste, sondern u.a. um transatlantische Verbindungen und interkulturelle Dialoge, z.B. zwischen Brasilien und der Ulmer Hochschule für Gestaltung. Bei den Fragen zum intellektuellen Austausch blieben viele unbeantwortet. Mit wem verkehrte der große Autodidakt Flusser auf seiner Terrasse? Und wie sollen wir das herausbekommen? Es ist schade, wenn in Deutschland zwar Interesse für seine Kommunikations- und Medientheorien vorliegt, niemand jedoch des Portugiesischen mächtig ist um diese Theorien in ihrer Zeit zu kontextualisieren. Vice versa lässt sich die Situation der brasilianischen Flusser Fans charakterisieren. So lässt sich da bestimmt noch einiges erwarten in der kommenden Zeit. Auch Benses Essay „Brasilianische Intelligenz“ von 1965 wurde erst 2009 vom Deutschen ins Portugiesische übersetzt.

Die Aktualität der ganzen künstlerischen Werke hat mich wohl am meisten beeindruckt und ich lausche elektronischer Musik mit etwas anderen Ohren oder nehme mir vor eine Veranstaltung Gomringers Tochter Nora-Eugenie zu besuchen, eines der bekannten Gesichter der deutschsprachigen Poetry Slam Szene ist. Und dann überlege ich, wie ich auch mal in den Genuss komme, die Bienal in São Paulo zu besuchen. So wie Teresa und Etienne… Vorerst bleibt mir aber noch die Ausstellung der AdK zu argentinischer zeitgenössischer Kunst. Auch diese ist empfehlenswert!

Von Julia Ziesche

O parangolé pamplona você mesmo faz
O parangolé pamplona a gente mesmo faz
Com um retângulo de pano de uma cor só
E é só dançar
E é só deixar a cor tomar conta do ar
Verde
Rosa
Branco no branco no peito nu
Branco no branco no peito nu
O parangolé pamplona
Faça você mesmo
E quando o couro come
É só pegar carona
Laranja
Vermelho
Para o espaço estandarte
“Para o êxtase asa-delta”
Para o delírio porta aberta
Pleno ar
Puro Hélio
Mas
O parangolé pamplona você mesmo faz

Mit einem grün-gelben (brasilianischen?) parangolé betrat Adriana gestern die Bühne im Studio der Akademie der Künste, sang ihr Lied “Parangolé Pamplona”, welches sie der sie so faszinierend erscheinenden Idee der parangolés Oiticicas auf ihrem vierten Album widmete. Im Anschluss versuchte sie sich an ihre ersten Begegnungen mit Hélios parangolés zu erinnern. Auch Gespräche und Diskussionen mit Lygia Pape, Caetano Veloso und Haroldo de Campos über das Werk von Oiticica wurden ausgegraben und mit dem Publikum geteilt, das sich nach einem kurzem Austausch auf eine Solo Performance Adrianas im weißen parangolé freuen konnte. Erinnern und ausdrücken konnte sie sich vor allem auf Portugiesisch, dem Publikum half die Simultanübersetzerin, die sich auch nicht scheute im letzten Teil der Veranstaltung die rasch designten parangolés zum Leben zu erwecken und mit anderen Gästen zu den Beats einer Percussiongruppe über die Bühne zu segeln. Adrianas Faszination für die Simplizität der Erschaffung eines Kunstwerkes, das im Grunde keine Funktion für niemanden erfüllt, sondern einfach durch jederman und jederfrau kreiert werden kann spiegelt sich in ihrem künstlerischen Schaffen im allgemeinen, aber auch in dem konkreten Song “Parangolé Pamplona”. Ihr Wunsch der ganzen Welt mitzuteilen wie einfach das alles ist, wird wohl noch eine Weile brauchen. In Berlin hat sie ihren Teil getan und das Publikum überzeugt, das kleine Videos bereits auf Youtube einstellte:

Vorträge im Oktober

October 1, 2010

Der Herbst, der Herbst, beschert uns folgende Veranstaltungen zu denen Sie herzlich eingeladen sind:

*Concretismo und Neoconcretismo – poetischer Raum in Bewegung

Donnerstag 21.10.2010, 19:00 Uhr

Ort: Forschungszentrum Brasilien im Lateinamerika Institut, Freie Universität Berlin Rüdesheimer Str. 54-56, 14197 – Berlin

Vortrag von Prof. Dr. Lígia Chiappini und Teresa Bueno

Das Bild fängt an, wenn der Betrachter kommt“

In den 50er Jahren gründet eine Gruppe von Künstlern und Dichtern den brasilianischen „Concretismo“. Sie sind inspiriert von Bildern von Mondrian und Malevitch, Skulpturen von Max Bill, der Architektur von Le Corbusier und Oscar Niemeyer, den Gedichten von Ezra Pound und James Joyce sowie der elektronischen Musik von Anton Webern.

Auch in Brasilien theoretisieren Maler und Dichter über die Funktion von Raum und Zeit in der Malerei und Poesie. Die „Concretos“ aus São Paulo kommen zu dem Schluss, dass ihre Dichtung „verbivocovisual“ sein solle. Es wird mit Wörtern und Bildern experimentiert. Diese sind nicht mehr an Seiten und Leinwände gebunden. Die Raumkompositionen ersetzen die Verse in den Gedichten, die Bilder springen aus den Wänden. Die Klänge werden zu Musik, manchmal sogar zu Schallplatten.

Einige Dichter treiben dieses Spiel so weit, dass die Wörter ganz verschwinden. Die Grenzen zwischen einer Kunst des Raumes und einer Kunst der Zeit, wie Lessing sie aufgestellt hat, werden aufgebrochen. Die so entstandene Poesie ohne Wörter führt zu einer großen Polemik.

Und damit noch nicht genug. Leser und Betrachter werden zur aktiven Teilnahme eingeladen. Alle Sinne werden von Formen, Farben und Klängen erweckt. Poesie und Kunst werden zur (neo)konkreten Performance.

Die Suche nach einem poetischen Raum in Bewegung scheint alle zu infizieren. Linien und Formen bleiben nicht mehr im Bild stehen, sondern sie vibrieren, sie füllen die Leinwände, die Räume, die Stadt. Die Hauptstadt Brasiliens wird verschoben. Die nach dem Modell eines Flugzeuges angelegte neue Hauptstadt Brasília wird im Zentrum des Landes der Zukunft als Symbol von Integration und Entwicklung gebaut.

*Brasilia: Horizonte der urbanen Zukunft bei Max Bense und Vilém Flusser – Anschließend Gespräch mit Peter Zlonicky

Freitag 29.10.2010, 19:00 Uhr

Ort: Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 – Berlin

Vortrag von Prof. Dr. Susanne Klengel

Im Jahrzehnt nach der Einweihung Brasilias, der neuen Hauptstadt (1960), konnte man in Deutschland hin und wieder faszinierte, aber auch ambivalente Reportagen und Berichte über das gewaltige urbanistische Projekt der lateinamerikanischen Moderne lesen. In meinem Vortrag sollen Brasilia-Beschreibungen aus der Feder des Stuttgarter Philosophen, Semiotikers und Schriftstellers Max Bense und des seit 1940 in Brasilien beheimateten, aus Prag stammenden jüdischen Intellektuellen Vilém Flusser verglichen werden. Beide sehen in Brasilia ein urbanes Projekt, das auf die “Stadt der Zukunft” verweist: für Bense ein Produkt der “brasilianischen Intelligenz”, ein System, konsequentes Gesamtdesign und visuelles Ereignis, für Flusser dagegen ein maßloser “Apparat”, eine Maschine, die den Typus des “Funktionärs” hervorbringt und begünstigt. Für beide Autoren ist die alte Hauptstadt Rio de Janeiro ein melancholischer Fluchtpunkt des Vergangenen. Doch Benses Blick ist, wie sein Text selbst, eher auf die konstruktivistische Dimension Brasilias gerichtet, der er durchaus etwas abgewinnt. Flusser dagegen sieht Brasilia mit ambivalentem Gefühl als Wiege des “neuen Menschen”, den er im vermeintlich „geschichtslosen Raum“ Brasiliens ansiedelt.

Oscar im Hansaviertel

September 17, 2010

For whom Brasília is too far away we suggest a nice walk in Berlin’s Hansaviertel, which was almost completely destroyed during World War II and afterwards reconstructed based on modern emphasis. Its residential houses and parks, which were finished for the Interbau 1957 – an international building exhibition – it invites us to follow that times idea of modernity. At Altonaer Straße 4 -14 I discovered plenty of geranium – a very typical german plant for balconies, closed sunshades and Niemeyer architecture. Delighful and strange at the same time.

Some dwellers were taking the elevator that is seperated from the mainbuilding in a tower that is only connected to it by two tunnels on the 5th and the 7th floor. For the 5th floor Oscar designed a common room for the whole house. Although I couldn’t check everything from the inside I found a nice blueprint on the internet. The 12 apartments (every number 4, 6, 8, 10, 12 and 14 with 2 apartments) seem quiet simple and I wonder if they can be compared to Brasílias residential houses in any way that must have been planned and constructed shortly after.

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Wem der Weg nach Brasília zu weit ist, dem empfehlen wir einen Spaziergang durch Berlins Hansaviertel, das nach der fast vollständigen Zerstörung im 2. Weltkrieg nach modernsten Gesichtspunkten wieder aufgebaut wurde. Mit seinen Wohnhäusern und Grünanlagen, die anlässlich der Bauausstellung Interbau 1957 fertig gestellt und eröffnet wurden, läd es ein der Idee der Moderne dieser Zeit nachzugehen. In der Altonaer Straße 4-14 entdeckte ich schöne deutsche Balkongeranien und eingeklappte Sonnenschirme an Niemeyerscher Architektur. Entzückend und irgendwie merkwürdig.

Ein paar Bewohner waren unterwegs und fuhren überwiegend mit dem Fahrstuhl, der als Extraturm neben dem Gebäude steht und mit zwei Tunneln an das Hauptgebäude angeschlossen ist, entweder in die 5. oder 7. Etage – in der 5. Etage sollte sich nach Oscars Plänen (Oschkaaar) ein großer Gemeinschaftsraum befinden. Da ich mir das ganze nicht von innen anschauen konnte, freute ich mich jedoch über einen Grundriss, den ich im Internet fand. Die zwölf abgebildeten Wohnungen (jeweils zwei Wohnungen pro Hausnummer 4, 6, 8, 10, 12, und 14) – wirken schlicht und ich wüsste gern, inwiefern sie vergleichbar sind mit den Wohnhäusern Brasílias, die unmittelbar danach entstanden sein müssen.

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By/Von Julia Ziesche

Einen Tag nach der Eröffnung gab Sônia Salzstein einen Vortrag in der AdK auf den eine Diskussionsrunde mit Waltercio Caldas, ihr, Robert Kudielka, Luiz Camillo Osorio, Michael Asbury, Iole de Freitas, Carla Guagliardi und Carlos Bevilacqua folgte.

Die vordergründige Frage, die in meinen Augen nicht in zwei Stunden beantwortet werden kann, ist die nach der Existenz einer modernen/zeitgenössischen brasilianischen Kunst. Ohne diese Frage von Beginn an abzulehnen, weil sie im Sinne der universalistischen Ansprüche der neoconcretistas möglicherweise hinfällig ist, versuchen wir zu verstehen in welche Richtung die Argumente gehen. Was bietet sich besser an, als mit brasilianischen Künstlern, bzw. Künstlern aus Brasilien, dieser Frage nachzugehen? Was tun sie und wie beschreiben sie dies? Waltercio ist ziemlich überzeugt, dass es keine brasilianische Kunst gibt, wie es auch keine brasilianische Mathematik gibt. Andere Künstler_innen hingegen waren überzeugter, dass es so etwas wie einen Einfluss anderer Künstler_innen aus Brasilien auf ihre Werke gibt. Dieses Gefühl trete für Carlos bestärkt im Ausland auf (welch anthropologische Erfahrung!). Wie Sônia es darstellte, ist die brasilianische Kunst der 50er und 60ern lange Zeit unbekannt geblieben, d.h. weniger rezipiert im Vergleich zu den Entwicklungen um 1922, die der brasilianischen Nation Ausdruck verliehen, wie es Kunsttheoretiker eingeimpft bekamen und weiter einimpften. Eine Diskussion, die bereits ziemlich durchgekaut wurde und selbst Michael Asbury langweilt: die Verbindung von Identität, Zukunft und Fortschritt. Sônia spricht von einer retrospektiven Täuschung in historisch konzipierten Ausstellungen, die bevorzugt die Kunst ab 1922 fokussierten und erst in den letzten Jahren auch spätere zeitgenössische Werke der 50er und 60er aufgreifen, die nicht ins nationale Konstrukt passten. Waltercio stimmte Sônias Beobachtung der Unbekanntheit zu und sieht in der nun aufgekommenden Auseinandersetzung mit der Kunst ab den 1950ern eben auch die Gefahr missverstanden zu werden. Im Grunde lies die Reaktion Kudielkas auf Sônias Vortrag fasst schon auf ein Missverständnis schließen, welches aber schnell im Dialog ausgeräumt wurde. Ihr Ansatz der „Geschichtlichkeit“ (historicity) sei keinesfalls ein Versuch der brasilianischen zeitgenössischen Kunst eine historische Legitimierung zuzusprechen. Luiz wies darauf hin, dass das in Europa so verbreitete geschichtliche Verständnis der Epochen in Brasilien zweit- wenn nicht sogar drittrangig ist. Es spielt einfach keine entscheidende Bedeutung. Sônia ist es wiederum wichtig, aufzuzeigen, dass die Moderne in Brasilien, die sich von Vorstellungen in Europa unterschied (wir wiederholen es noch einmal Herr Asbury), mit den Werken der 50er und 60er und von heute neu gedacht werden müsste. Dass es eben auch nicht eine brasilianische Moderne gibt. Da wird die Sache schon spannender.

Doch was ist nun das besondere an Brasilien? Worauf sprangen Flusser, Bense und Zweig bei ihrer Beschäftigung mit Brasilien an? Wo spiegeln sich gesellschaftliche Veränderungen, Brüche und Diskontinuitäten wider? Kudielka würde an dieser Stelle womöglich den Begriff der Geschichtlichkeit erneut aufgreifen, der Umstände beschreibt, auf die wir kaum einen Einfluss nehmen können, dennoch von ihnen geprägt werden, z.B. beim kreativen Schaffen. Oder er erinnert an den Begriff des „double conciousness“ von Du Bois. Carla beschreibt wie sie häufig durch das Attribut „brasilianische Künstlerin“ nicht mehr mit französischen oder britischen Künstlern verglichen wird, sondern einer anderen Schublade zugeordnet wird. Doch erkenne ich, dass ich im Saal 3, dem zeitgenössischen Teil der Ausstellung stehe, und die Werke brasilianischer Künstler betrachte? Sehe ich einen Unterschied zu einer Ausstellung zeitgenössischer belgischer Künstler im Museum van Hedendaagse Kunst in Antwerpen?

Dennoch schwebt der durch Frau Klengel geschilderte harmonische Eindruck sowie das sehr präsente brasilianische Aushängeschild (den Caipirinha Stand zur Eröffnung will ich nicht überbewerten) über der Ausstellung. Der Katalog ist somit von entscheidender Bedeutung um der Harmonie den Wind aus den Segeln zu nehmen. So wird beispielsweise durch diesen und das Konzept der Ausstellung der Mythos der Rivalitäten zwischen São Paulos concretistas und Rios neoconcretistas doch zu klitzekleinen Divergenzen schrumpfen. Weiterhin wirkt Sônias eingeführtes Oxymoron des „universalistischen Nationalismus“ sehr passend für die Besonderheiten und Ansprüche der brasilianischen Kunst ohne sie auf den nationalen Kontext zu reduzieren. Auch ich bin neugierig auf ihre Eindrücke!

Von Julia Ziesche

Ordnung im Dienste des Chaos

September 4, 2010

Introducing art work of, from or about the idea of the city of Brasilia is not easily seperable of an already mentioned fingerprint of architecture.

Lucios and Oscars ideas and concepts of an urban utopia are spread all over Brasilia`s  plano piloto like hyperdimensional fingerprints. Behind these traces concepts of brazilian modernity, as we can see them these days in art exhibition O desejo da forma in Berlin (close to an area as well designed by Oscar) ideas about people and spaces and other messages are hidden. Regarding this image of fingerprints we are pleased to introduce another young artist`s adorable work. The approach to Brasilia is maybe more concrete than it seems to at first glance

Te fingerprint alphabet of Cristian Forte is refering to those apparently organized ideas of the relation between people and the spaces that surround them – a more than obvious vision we can find in Brasilia`s architecture. Looked at more closely, though, we are able to discover an unimaginable chaos behind order and plans, aspects that can be found in Cristians work.

I got to know Cristian when he was playing a concert in Berlin and we started talking about his work and the possible linkages between Berlin, Brasilia and this blog Project. His fingerprint alphabet impressed me more than anything and didn`t give me peace of mind for a long time.

For me his work tries to discover and make tangible the relation between order and chaos, where our fingerprints, marking our environment, and the urban spaces around marking us, can be seen as linkages and combination spots, a disruptive game that rearranges these relations. Our concrete environment becomes legible, associative spaces tangible.

Have a look!

Es gestaltet sich mitunter schwierig Kunst über, aus und von Brasilia aus wahrzunehmen und zu verstehen ohne den bereits erwaehnten architektonischen Fingerabdruck übergestülpt zu bekommen. Lucios und Oscars Ideen und Konzepte einer Stadt als Utopie verteilen sich über den plano piloto Brasìlias; treffen in Berlin dort ein, wo momentan Neoconcrete Kunst zu sehen ist, wie überdimensionale Fingerabdrücke hinter denen Ideen, Konzepte und vor allem Botschaften versteckt sind. Eine herausragende Arbeit wollen wir Ihnen diesbezüglich heute vorstellen. Der Bezug zu Brasilia ist eher indirekt, assoziativ, vielleicht jedoch sogar ganz konkret!

Das Fingerabdruckalphabet von Cristian Forte, den wir Ihnen heute vorstellen, nimmt konkret Bezug zu dieser scheinbar geordneten Vorstellung von Mensch und Raum – eine Vorstellung die auch in Brasìlia spuerbar wird. Hinter dieser Ordnung kann sich bei genauerem Hinsehen ein Chaos unschaetzbarer Reichhaltigkeit verbergen, wie Cristians  Arbeit versucht zu beschreiben.

Ich lernte Cristian auf einem seiner Konzerte in Berlin kennen. Wir tauschten uns über  unsere Arbeit und die moeglichen Verknüpfungspunkte zwischen Berlin, Brasilia und diesem Blogprojekt aus. Besonders eindrucksvoll erschien mir das Alphabet, das Cristian entworfen hat. In seiner Arbeit verbirgt sich für mich die spannende Idee Fingerabdrücke, die wir um uns herum hinterlassen und urbane Raeume, die in uns Spuren hinterlassen, als Spiel- und Kombinationspunkte zu sehen, in denen Ordnung und Chaos, das Verhaeltnis von Mensch und Umwelt zu wandern beginnen. Konkrete Umwelt wird lesbar, assoziativer Raum begreifbar.

Aber sehen Sie selbst!

El orden al servicio del caos

El Alfabeto de Impresión Dactilar se ha sistematizado del siguiente modo :

A cada una de las huellas  dactilares de las manos se le ha asignado una serie de vocales, consonantes y signos de puntuación, exclamación e interrogación. Las vocales y consonantes utilizadas son las del alfabeto en español. A cada uno de los dedo de las manos le fueron asignadas 3 posiciones, entre la mano derecha e izquierda suman en total 30 posiciones.

En el caso de la mano derecha a los dedos meñique, anular, mayor e índice les corresponden las posiciones :

Vertical arriba

Diagonal izquierda arriba

Horizontal izquierda

Mientras que al pulgar derecho le corresponden las posiciones :

Horizontal izquierda

Diagonal izquierda abajo

Vertical abajo

En el caso de la mano izquierda al dedo meñique, anular, mayor e índice les corresponden las posiciones :

Vertical arriba

Diagonal derecha arriba

Horizontal derecha

Mientras que al pulgar izquierdo le corresponden las posiciones :

Horizontal derecha

Diagonal derecha abajo

Vertical abajo

El alfabeto de impresiones dactilares nos permitirá escribir poemas, ensayos o cartas de amor con un estilo muy personal.

También podríamos descubrir miles de mensajes ocultos sobre cualquier objeto sensible a nuestras caóticas  huellas.

¿A observado que augura su taza de café esta mañana?

¿Qué nos anuncia el cristal de la ventanilla en el vagón del subte?  O… ¿Qué nos dicen las huellas de quienes han tocado un piano desafinado, un revolver, el espejo de un baño público, o la fría vidriera de un centro comercial?

Order at the chaos` service

The finger print alphabet has been arranged as followed :

To each fingerprint of both hands there has been assinged a series of voals, consonants and punctuation marks, exclamation and question marks. The voals and consonantes derive from the spanish alphabet. Every finger of each hand appears in 3 different positions, in order to produce a system of 30 different positions, 15 for each hand.

For the right hand the following positions are assigned to each finger except the thumb :

Upright

Diagonal up left

Horizontal left

Whereas to the right hand`s thumb the following positions are related :

Horizontal left

Diagonal down left

Vertical down

To the left hand the following positions are assigned to each finger except the thumb:

Vertical upright

Diagonal up right

Horizontal right

Whereas to the left hand`s thumb the following positions are related :

Horizontal right

Diagonal down right

Vertical down

The finger print alphabet allows us to create poems and essays, write love letters with a special personal touch.

It s possible as well to discover thousands of hidden messages on any tangible object around us, due to our chaotic finger prints.

Have you checked this morning what your coffee cup predicts for today ?

What does the subway’s window glasses tell us ? Or… What does the fingerprints of those who played a piano out-of-tune, touched a revolver, a mirror of a public bathroom or the cold stained glass window of the shopping mall tell us ?

Eröffnung

September 1, 2010

Morgen Donnerstag dem 2.September um 19 Uhr eröffnet die Ausstellung. Der Eintritt ist frei.

Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Studio

Eröffnung mit Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, und Everton Vieira Vargas, Botschafter von Brasilien. Es wird eine Einführung in die Ausstellung (dt./engl.) von Robert Kudielka und Luiz Camillo Osorio geboten. Wir freuen uns. Am Sonntag dem 5.September ist der Eintritt ebenfalls kostenlos und um 11 Uhr findet eine Führung statt.

O Desejo da Forma

August 23, 2010

Caros leitores e leitoras deste Blog, a tão aguardada abertura da exposição o “Desejo da Forma” está chegando… Pra já ter um gostinho vocês podem dar uma olhada na página Web da exposição: http://adk.de/brasilien/index.htm ou no documento “Flyer” em baixo. Divirtam-se… e nos vemos por lá.

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Liebe Teilnehmer(innen) von diesem Blog, die erwartet Anfang der Ausstellung “Das Verlangen Nach Form” rückt näher, und in den Genuss zu kommen kann man schon unter: http://adk.de/brasilien/index.htm die Webseite der Ausstellungs ansehen. Oder der Flyer.

De/Von Teresa Bueno

Yesterday I visited the new exposition of the series „connect:“ at the Institut für Auslandsbeziehungen (ifa), that aims at linking art scenes around the world – in this case Germany and Rio de Janeiro. Supplementing our project, this exhibition fits in very well and the first flyers for „O Desejo da Forma“ were to be found in the ifa Gallery. Five of the ten exhibiting artists showed the visitors around for 1,5 hours talking about themselves, their art and the shared art space „A Gentil Carioca“, that was opened in 2003 and lies in the old and popular center of Rio. The first impression was a little irritating because at the entrance signs with „Taking pictures is forbidden“, „The gallery is camera supervised“ and „Do not lean against moving walls“. However, my expectation of an interactive exposition were met during the guided tour – where it was possible to paste star stickers against the walls. By the way an exiting optic. Noteworthy is the conception of the art works, that is characterised by permeable transitions. There are no boundaries between one artists work and another work, which is also appropriate for evaluating the viewer’s perspective.

Artists in alphabetical order: Botner & Pedro, Carlos Contente, Guga Ferraz, Laura Lima, Jarbas Lopes, João Modé, Paulo Nenflidio, Ernesto Neto, Maria Neopomuceno, Alexander Vogler

As greenhorn in the contemporary art scene of Brazil – or Rio? – I was pleased to hear names like Lygia Clark during the guided tour. Laura Lima presented some pieces of her costumes collection, that were directly put on our hands. Meanwhile Guga Ferraz took time to talk about life and antagonisms present in Rio – that are approached by the majority of the artists. Already the location of the gallery outside of the noble Zona Sul and the parede gentil, the always artistically changing outer wall of the art space that assures sharing art with every passerby, are proves of their aims. For their steadily alternating expositions the gallery receive tons of applications by yet unknown artists, that can’t be all displayed. The social and political interests and the objection towards social inequalities is nothing often associated with arte neoconcretista. Most of these artists were not in need of selling their art, however a simple comparison should be carefully made, since conditions for artists have changed in the past years. The fact that A Gentil Carioca has only one non-brazilian artists in its permanent collective was responded by Márcio Botner who believes that in the future this will probably change.

We suggest a visit to ifa-Galerie where the exhibition is on display til 10/10/2010.

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Gestern besuchte ich die neue Ausstellung in der Galerie des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) in der Reihe „connect:“, die sich zur Aufgabe gemacht hat weltweite Kunstszenen miteinander zu verknüpfen- in diesem Fall Deutschland und Rio de Janeiro. Auch diese Ausstellung passt wunderbar in unsere Projektgruppe und so ließen sich auch die ersten Flyer für „O Desejo da Forma“ in der ifa-Galerie mitnehmen. Fünf der zehn ausstellenden brasilianischen Künstler_innen führten für ca. 1,5 Stunden durch die Galerie und erzählten über sich, ihre Kunst und den gemeinsamen Kunstraum „A Gentil Carioca“, welcher seit 2003 in einem populären Viertel im Zentrum Rios existiert. Der erste Eindruck wurde durch das Schild „Fotografieren verboten“, „Die Galerieräume werden videoüberwacht“ und „Bitte lehnen sie sich nicht an die frei im Raum stehenden Stellwände““ etwas gedämpft. Allerdings wurden meine Erwartungen an Interaktivität während und nach der Führung erfüllt – so durften beliebig die Sternsticker an die Wände gepappt werden, die eine wunderbare Optik liefern. Beachtenswert ist die Konzeption der einzelnen Werke, die durch durchlässige Übergänge gekennzeichnet sind. Zwischen den einzelnen Werken gibt es keine klare Abgrenzung, was in meinen Augen auch für Betrachter_in gilt.

Künstler_innen in alphabetischer Reihenfolge sind: Botner & Pedro, Carlos Contente, Guga Ferraz, Laura Lima, Jarbas Lopes, João Modé, Paulo Nenflidio, Ernesto Neto, Maria Neopomuceno, Alexander Vogler

Als Neuling auf dem Gebiet der zeitgenössischen Kunst Brasiliens – oder doch Rios? – war ich erfreut Namen wie Lygia Clark zu vernehmen. Laura Lima stellte einen kleinen Teil ihrer costumes vor, die sie uns auch sofort an die Hand legte, während Guga Ferraz die Zeit nutzte den Besuchern über die Lebenswelten und großen Widersprüche in Rio zu berichten – auf die sich viele der Künstler auf die eine oder andere Weise beziehen. Bereits der Standort der Galerie außerhalb der noblen Zona Sul Rios sowie die parede gentil – die stets wechselnde Außenmauer der Galerie – die Kunst mit jedem Passanten teilbar macht, sind eindeutige Indizien dafür. Für ihre regelmäßig wechselndes Ausstellungen erhält die Galerie unzählbare Bewerbungen von noch unbekannteren Künstlern, die sie bedauerlicherweise nicht alle ausstellen können. Die sozialen und politischen Interessen und den sozialen Ungleichheiten etwas entgegenzusetzen, wird den Künstlern des neoconretismo wenig zugeschrieben. So waren unsere neoconcretistas auch nicht darauf angewiesen ihre Werke zu verkaufen. Bei einem direkten Vergleich sollten wir jedoch vorsichtig sein, da es mittlerweile andere Möglichkeiten für Künstler gibt. Auffällig war, dass A Gentil Carioca, außer einem Neuseeländer bisher keine festen nicht-brasilianischen Künstler hat, was sich wohl in den nächsten Jahren laut Márcio Botner ändern wird.

Wir empfehlen ihnen einen Besuch der Ausstellung, die bis zum 10.Oktober 2010 in der ifa-Galerie zu sehen ist.

Recommended/Empfohlene Links

www.ifa.de

www.agentilcarioca.com.br

By/Von Julia Ziesche