Oscar im Hansaviertel

September 17, 2010

For whom Brasília is too far away we suggest a nice walk in Berlin’s Hansaviertel, which was almost completely destroyed during World War II and afterwards reconstructed based on modern emphasis. Its residential houses and parks, which were finished for the Interbau 1957 – an international building exhibition – it invites us to follow that times idea of modernity. At Altonaer Straße 4 -14 I discovered plenty of geranium – a very typical german plant for balconies, closed sunshades and Niemeyer architecture. Delighful and strange at the same time.

Some dwellers were taking the elevator that is seperated from the mainbuilding in a tower that is only connected to it by two tunnels on the 5th and the 7th floor. For the 5th floor Oscar designed a common room for the whole house. Although I couldn’t check everything from the inside I found a nice blueprint on the internet. The 12 apartments (every number 4, 6, 8, 10, 12 and 14 with 2 apartments) seem quiet simple and I wonder if they can be compared to Brasílias residential houses in any way that must have been planned and constructed shortly after.

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Wem der Weg nach Brasília zu weit ist, dem empfehlen wir einen Spaziergang durch Berlins Hansaviertel, das nach der fast vollständigen Zerstörung im 2. Weltkrieg nach modernsten Gesichtspunkten wieder aufgebaut wurde. Mit seinen Wohnhäusern und Grünanlagen, die anlässlich der Bauausstellung Interbau 1957 fertig gestellt und eröffnet wurden, läd es ein der Idee der Moderne dieser Zeit nachzugehen. In der Altonaer Straße 4-14 entdeckte ich schöne deutsche Balkongeranien und eingeklappte Sonnenschirme an Niemeyerscher Architektur. Entzückend und irgendwie merkwürdig.

Ein paar Bewohner waren unterwegs und fuhren überwiegend mit dem Fahrstuhl, der als Extraturm neben dem Gebäude steht und mit zwei Tunneln an das Hauptgebäude angeschlossen ist, entweder in die 5. oder 7. Etage – in der 5. Etage sollte sich nach Oscars Plänen (Oschkaaar) ein großer Gemeinschaftsraum befinden. Da ich mir das ganze nicht von innen anschauen konnte, freute ich mich jedoch über einen Grundriss, den ich im Internet fand. Die zwölf abgebildeten Wohnungen (jeweils zwei Wohnungen pro Hausnummer 4, 6, 8, 10, 12, und 14) – wirken schlicht und ich wüsste gern, inwiefern sie vergleichbar sind mit den Wohnhäusern Brasílias, die unmittelbar danach entstanden sein müssen.

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By/Von Julia Ziesche

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Einen Tag nach der Eröffnung gab Sônia Salzstein einen Vortrag in der AdK auf den eine Diskussionsrunde mit Waltercio Caldas, ihr, Robert Kudielka, Luiz Camillo Osorio, Michael Asbury, Iole de Freitas, Carla Guagliardi und Carlos Bevilacqua folgte.

Die vordergründige Frage, die in meinen Augen nicht in zwei Stunden beantwortet werden kann, ist die nach der Existenz einer modernen/zeitgenössischen brasilianischen Kunst. Ohne diese Frage von Beginn an abzulehnen, weil sie im Sinne der universalistischen Ansprüche der neoconcretistas möglicherweise hinfällig ist, versuchen wir zu verstehen in welche Richtung die Argumente gehen. Was bietet sich besser an, als mit brasilianischen Künstlern, bzw. Künstlern aus Brasilien, dieser Frage nachzugehen? Was tun sie und wie beschreiben sie dies? Waltercio ist ziemlich überzeugt, dass es keine brasilianische Kunst gibt, wie es auch keine brasilianische Mathematik gibt. Andere Künstler_innen hingegen waren überzeugter, dass es so etwas wie einen Einfluss anderer Künstler_innen aus Brasilien auf ihre Werke gibt. Dieses Gefühl trete für Carlos bestärkt im Ausland auf (welch anthropologische Erfahrung!). Wie Sônia es darstellte, ist die brasilianische Kunst der 50er und 60ern lange Zeit unbekannt geblieben, d.h. weniger rezipiert im Vergleich zu den Entwicklungen um 1922, die der brasilianischen Nation Ausdruck verliehen, wie es Kunsttheoretiker eingeimpft bekamen und weiter einimpften. Eine Diskussion, die bereits ziemlich durchgekaut wurde und selbst Michael Asbury langweilt: die Verbindung von Identität, Zukunft und Fortschritt. Sônia spricht von einer retrospektiven Täuschung in historisch konzipierten Ausstellungen, die bevorzugt die Kunst ab 1922 fokussierten und erst in den letzten Jahren auch spätere zeitgenössische Werke der 50er und 60er aufgreifen, die nicht ins nationale Konstrukt passten. Waltercio stimmte Sônias Beobachtung der Unbekanntheit zu und sieht in der nun aufgekommenden Auseinandersetzung mit der Kunst ab den 1950ern eben auch die Gefahr missverstanden zu werden. Im Grunde lies die Reaktion Kudielkas auf Sônias Vortrag fasst schon auf ein Missverständnis schließen, welches aber schnell im Dialog ausgeräumt wurde. Ihr Ansatz der „Geschichtlichkeit“ (historicity) sei keinesfalls ein Versuch der brasilianischen zeitgenössischen Kunst eine historische Legitimierung zuzusprechen. Luiz wies darauf hin, dass das in Europa so verbreitete geschichtliche Verständnis der Epochen in Brasilien zweit- wenn nicht sogar drittrangig ist. Es spielt einfach keine entscheidende Bedeutung. Sônia ist es wiederum wichtig, aufzuzeigen, dass die Moderne in Brasilien, die sich von Vorstellungen in Europa unterschied (wir wiederholen es noch einmal Herr Asbury), mit den Werken der 50er und 60er und von heute neu gedacht werden müsste. Dass es eben auch nicht eine brasilianische Moderne gibt. Da wird die Sache schon spannender.

Doch was ist nun das besondere an Brasilien? Worauf sprangen Flusser, Bense und Zweig bei ihrer Beschäftigung mit Brasilien an? Wo spiegeln sich gesellschaftliche Veränderungen, Brüche und Diskontinuitäten wider? Kudielka würde an dieser Stelle womöglich den Begriff der Geschichtlichkeit erneut aufgreifen, der Umstände beschreibt, auf die wir kaum einen Einfluss nehmen können, dennoch von ihnen geprägt werden, z.B. beim kreativen Schaffen. Oder er erinnert an den Begriff des „double conciousness“ von Du Bois. Carla beschreibt wie sie häufig durch das Attribut „brasilianische Künstlerin“ nicht mehr mit französischen oder britischen Künstlern verglichen wird, sondern einer anderen Schublade zugeordnet wird. Doch erkenne ich, dass ich im Saal 3, dem zeitgenössischen Teil der Ausstellung stehe, und die Werke brasilianischer Künstler betrachte? Sehe ich einen Unterschied zu einer Ausstellung zeitgenössischer belgischer Künstler im Museum van Hedendaagse Kunst in Antwerpen?

Dennoch schwebt der durch Frau Klengel geschilderte harmonische Eindruck sowie das sehr präsente brasilianische Aushängeschild (den Caipirinha Stand zur Eröffnung will ich nicht überbewerten) über der Ausstellung. Der Katalog ist somit von entscheidender Bedeutung um der Harmonie den Wind aus den Segeln zu nehmen. So wird beispielsweise durch diesen und das Konzept der Ausstellung der Mythos der Rivalitäten zwischen São Paulos concretistas und Rios neoconcretistas doch zu klitzekleinen Divergenzen schrumpfen. Weiterhin wirkt Sônias eingeführtes Oxymoron des „universalistischen Nationalismus“ sehr passend für die Besonderheiten und Ansprüche der brasilianischen Kunst ohne sie auf den nationalen Kontext zu reduzieren. Auch ich bin neugierig auf ihre Eindrücke!

Von Julia Ziesche

Am Eröffnungstag war ich in der Berliner Ausstellung der Akademie der Künste am Hanseatenweg. Der Ausstellungsort im Tiergartenviertel ist großartig, denn er spiegelt gewissermaßen die Epoche und den internationalen modernistischen Geist der 50er und 60er Jahre. Unter diesem Gesichtspunkt sollte man auch mal (mal wieder) mit offenen Augen durch das Hansa-Viertel gehen, das im Allgemeinen eher übersehen wird und als etwas verschlafen gilt. Immerhin steht in nächster Nähe zur Akademie auch ein Haus nach dem Entwurf von Oscar Niemeyer.

Zurück zur Ausstellung: Sie ist wunderschön, im wahrsten Sinne des Wortes. Viele Kostbarkeiten aus Museen und Privatsammlungen, die mit Sicherheit schwer zu beschaffen waren, sind zu bewundern und das “Poetische” im umfassenden Sinne des Neoconcretismo, der den rationaleren Concretismo abgelöst hat, vermittelt sich in vielen Objekten, von denen ich zumindest viele noch nicht kannte.

Dennoch stellt sich mir nun die Frage, ob sich möglicherweise die Ausstellung sogar zu harmonisch dem Auge darbietet? (Der Katalog mit seinen Hintergrundberichten ist also vermutlich wirklich wichtig). Denn die Ausstellungsebene birgt nach meinem Eindruck ein Paradox: Wir sehen die Objekte einer Bewegung, die eine universelle Sprache suchte – eben die Sprache DER MODERNE mit Standort Brasilien, ohne dass dabei aber eine “andere”, spezifisch brasilianische Moderne lanciert werden sollte. Die Künstler sahen sich ja als Teil, und zwar als avancierten Teil, der internationalen Moderne und Kunst-Moderne. Man lese z.B. das Neokonkretistische Manifest, in dem das Wort “Brasilien” gar nicht fällt!

Doch stellt die Ausstellung, nolens volens oder auch notwendigerweise?, die Bewegung des Neoconcretismo in den Kontext des Nationalen (wir sehen mit Staunen und Bewunderung diese in sich ruhende multidisziplinäre, brasilianische Bewegung!). Mir kommt in diesem Zusammenhang Fredric Jamesons These von der Allegorisierung des Nationalen in den Sinn. Diese behauptet, dass es bei der Produktion kultureller Güter “in den Ländern der Dritten Welt” letztlich doch vor allem und insbesondere um die (nationale) Identität geht. Mir scheint, dass die Publikumswahrnehmung ein wenig in diese Richtung gelenkt wird, d.h. die Ausstellung wird in diesem Sinne eher als etwas “Brasilianisches” wahrgenommen und weniger als “Projekt der universellen Moderne, mit Standort Brasilien”? …. Meinungen hierzu würden mich interessieren.

Susanne Klengel

Ordnung im Dienste des Chaos

September 4, 2010

Introducing art work of, from or about the idea of the city of Brasilia is not easily seperable of an already mentioned fingerprint of architecture.

Lucios and Oscars ideas and concepts of an urban utopia are spread all over Brasilia`s  plano piloto like hyperdimensional fingerprints. Behind these traces concepts of brazilian modernity, as we can see them these days in art exhibition O desejo da forma in Berlin (close to an area as well designed by Oscar) ideas about people and spaces and other messages are hidden. Regarding this image of fingerprints we are pleased to introduce another young artist`s adorable work. The approach to Brasilia is maybe more concrete than it seems to at first glance

Te fingerprint alphabet of Cristian Forte is refering to those apparently organized ideas of the relation between people and the spaces that surround them – a more than obvious vision we can find in Brasilia`s architecture. Looked at more closely, though, we are able to discover an unimaginable chaos behind order and plans, aspects that can be found in Cristians work.

I got to know Cristian when he was playing a concert in Berlin and we started talking about his work and the possible linkages between Berlin, Brasilia and this blog Project. His fingerprint alphabet impressed me more than anything and didn`t give me peace of mind for a long time.

For me his work tries to discover and make tangible the relation between order and chaos, where our fingerprints, marking our environment, and the urban spaces around marking us, can be seen as linkages and combination spots, a disruptive game that rearranges these relations. Our concrete environment becomes legible, associative spaces tangible.

Have a look!

Es gestaltet sich mitunter schwierig Kunst über, aus und von Brasilia aus wahrzunehmen und zu verstehen ohne den bereits erwaehnten architektonischen Fingerabdruck übergestülpt zu bekommen. Lucios und Oscars Ideen und Konzepte einer Stadt als Utopie verteilen sich über den plano piloto Brasìlias; treffen in Berlin dort ein, wo momentan Neoconcrete Kunst zu sehen ist, wie überdimensionale Fingerabdrücke hinter denen Ideen, Konzepte und vor allem Botschaften versteckt sind. Eine herausragende Arbeit wollen wir Ihnen diesbezüglich heute vorstellen. Der Bezug zu Brasilia ist eher indirekt, assoziativ, vielleicht jedoch sogar ganz konkret!

Das Fingerabdruckalphabet von Cristian Forte, den wir Ihnen heute vorstellen, nimmt konkret Bezug zu dieser scheinbar geordneten Vorstellung von Mensch und Raum – eine Vorstellung die auch in Brasìlia spuerbar wird. Hinter dieser Ordnung kann sich bei genauerem Hinsehen ein Chaos unschaetzbarer Reichhaltigkeit verbergen, wie Cristians  Arbeit versucht zu beschreiben.

Ich lernte Cristian auf einem seiner Konzerte in Berlin kennen. Wir tauschten uns über  unsere Arbeit und die moeglichen Verknüpfungspunkte zwischen Berlin, Brasilia und diesem Blogprojekt aus. Besonders eindrucksvoll erschien mir das Alphabet, das Cristian entworfen hat. In seiner Arbeit verbirgt sich für mich die spannende Idee Fingerabdrücke, die wir um uns herum hinterlassen und urbane Raeume, die in uns Spuren hinterlassen, als Spiel- und Kombinationspunkte zu sehen, in denen Ordnung und Chaos, das Verhaeltnis von Mensch und Umwelt zu wandern beginnen. Konkrete Umwelt wird lesbar, assoziativer Raum begreifbar.

Aber sehen Sie selbst!

El orden al servicio del caos

El Alfabeto de Impresión Dactilar se ha sistematizado del siguiente modo :

A cada una de las huellas  dactilares de las manos se le ha asignado una serie de vocales, consonantes y signos de puntuación, exclamación e interrogación. Las vocales y consonantes utilizadas son las del alfabeto en español. A cada uno de los dedo de las manos le fueron asignadas 3 posiciones, entre la mano derecha e izquierda suman en total 30 posiciones.

En el caso de la mano derecha a los dedos meñique, anular, mayor e índice les corresponden las posiciones :

Vertical arriba

Diagonal izquierda arriba

Horizontal izquierda

Mientras que al pulgar derecho le corresponden las posiciones :

Horizontal izquierda

Diagonal izquierda abajo

Vertical abajo

En el caso de la mano izquierda al dedo meñique, anular, mayor e índice les corresponden las posiciones :

Vertical arriba

Diagonal derecha arriba

Horizontal derecha

Mientras que al pulgar izquierdo le corresponden las posiciones :

Horizontal derecha

Diagonal derecha abajo

Vertical abajo

El alfabeto de impresiones dactilares nos permitirá escribir poemas, ensayos o cartas de amor con un estilo muy personal.

También podríamos descubrir miles de mensajes ocultos sobre cualquier objeto sensible a nuestras caóticas  huellas.

¿A observado que augura su taza de café esta mañana?

¿Qué nos anuncia el cristal de la ventanilla en el vagón del subte?  O… ¿Qué nos dicen las huellas de quienes han tocado un piano desafinado, un revolver, el espejo de un baño público, o la fría vidriera de un centro comercial?

Order at the chaos` service

The finger print alphabet has been arranged as followed :

To each fingerprint of both hands there has been assinged a series of voals, consonants and punctuation marks, exclamation and question marks. The voals and consonantes derive from the spanish alphabet. Every finger of each hand appears in 3 different positions, in order to produce a system of 30 different positions, 15 for each hand.

For the right hand the following positions are assigned to each finger except the thumb :

Upright

Diagonal up left

Horizontal left

Whereas to the right hand`s thumb the following positions are related :

Horizontal left

Diagonal down left

Vertical down

To the left hand the following positions are assigned to each finger except the thumb:

Vertical upright

Diagonal up right

Horizontal right

Whereas to the left hand`s thumb the following positions are related :

Horizontal right

Diagonal down right

Vertical down

The finger print alphabet allows us to create poems and essays, write love letters with a special personal touch.

It s possible as well to discover thousands of hidden messages on any tangible object around us, due to our chaotic finger prints.

Have you checked this morning what your coffee cup predicts for today ?

What does the subway’s window glasses tell us ? Or… What does the fingerprints of those who played a piano out-of-tune, touched a revolver, a mirror of a public bathroom or the cold stained glass window of the shopping mall tell us ?

Eröffnung

September 1, 2010

Morgen Donnerstag dem 2.September um 19 Uhr eröffnet die Ausstellung. Der Eintritt ist frei.

Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Studio

Eröffnung mit Bernd Neumann, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, Klaus Staeck, Präsident der Akademie der Künste, und Everton Vieira Vargas, Botschafter von Brasilien. Es wird eine Einführung in die Ausstellung (dt./engl.) von Robert Kudielka und Luiz Camillo Osorio geboten. Wir freuen uns. Am Sonntag dem 5.September ist der Eintritt ebenfalls kostenlos und um 11 Uhr findet eine Führung statt.